Love is the action of being in the same space with other beings

Thaddeus Golas

Liebe

Liebe ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit spirituellem Wachstum zwangsläufig auftaucht, alleine schon, weil er in den meisten Religionen eine zentrale Bedeutung hat. Aber was ist Liebe denn eigentlich? Ein Gefühl? Eine Kombination von Gefühlen? Eine Körperempfindung? Mir jedenfalls bot sie bis in meine Dreißiger hinein viel Anlass zur Verwirrung. Einige Jahre war ich sogar unsicher, ob ich wahre Liebe jemals erlebt habe.

Wie viele Menschen habe ich früher Liebe mit dem Gefühl des Verliebtseins verwechselt. Sich ver-lieben impliziert, dass es sich um einen passiven Prozess handelt, wenn mich die Liebe trifft, vergleichbar einem vom Balkon gewehten Blumentopf, der mir zufällig auf den Kopf fällt. Noch deutlicher wird das im englischen „falling in love.“ Tatsächlich aber handelt es sich dabei um eine Form von Drama, da dieser Vorgang bedingt, dass ich als Opfer der Liebe zur Verfügung stehe. Zunächst zwar „positives“ Drama, denn gerade anfangs sind ja viele angenehme Empfindungen damit verbunden, dennoch Drama. Und wie Drama das so an sich hat, neigt es dazu, bald ins Gegenteil umzuschlagen. Denn als nächstes beginne ich, meine Liebe (oder das, was ich dafür halte) von meinem Gefühl des Verliebtseins abhängig zu machen, und wenn die romantische Phase einer Beziehung erst einmal vorüber ist, dann fangen oft die Probleme an.

Die einzige für mich brauchbare Definition von Liebe, die auch im Einklang mit meinem derzeitigen Erleben von Liebe steht hat mir schließlich Thaddeus Golas in seinem „The Lazy Man's Guide to Enlightenment“ geliefert: Liebe ist die Handlung, den Raum mit jemand anderem zu teilen.

Was für ein revolutionäres Konzept - mit dem ich zunächst nicht allzu viel anfangen konnte. Liebe ist also weder ein Gefühl noch eine Empfindung, sondern eine Handlung! Erst meine Beschäftigung mit tantrischen Praktiken bescherten mir schließlich auch ein dieser Definition entsprechendes Erleben. „Liebe machen“ hat seitdem eine ganz neue Bedeutung für mich.

Golas' Definition hat noch weitere Vorteile. So beschreibt sie mit bestechender Einfachheit auch all die anderen Manifestationen von Liebe ein, wie Nächstenliebe, Mutterliebe, Geschwisterliebe usw., sogar die Selbstliebe, die dann schlichtweg bedeutet, dass ich den Raum mit mir selbst teile, was eine ziemlich gute Beschreibung für Präsenz und Zentriert-sein darstellt.

Später machte ich eine noch revolutionärere Entdeckung: Etwas zu lieben bedeutet nicht zwangsläufig, es auch zu mögen! Das halte ich für einen der großen Schlüssel zu vollkommener Freiheit, denn es ermöglicht mir, all meine Erfahrungen zu lieben, nicht nur die angenehmen.

Verantwortung

Viele Menschen verknüpfen Verantwortung mit Schuld oder Pflicht. Wahre Verantwortung hat mit beidem nichts zu tun, sie beginnt erst, wenn sie übernommen wird. Wie der Wortstamm schon vermuten lässt, bezeichnet sie die Handlung, etwas mit einer Antwort belegen, bzw. die Fähigkeit zu antworten (engl. response-ability). Sie kann nicht jemandem zugewiesen werden. Zur Lösung eines Problems ist es nicht hilfreich, Zeit und Energie damit zu verschwenden, den Schuldigen zu suchen. Besser ist es, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln, zu antworten.

Ich stelle mir Verantwortung in Beziehung mit anderen Menschen gerne als zwei gleich große Räume vor, die durch eine Tür miteinander verbunden sind. Der eine Raum repräsentiert meine 100% Verantwortung, der andere die 100% der anderen Person. Würde ich nun beginnen, Teile des anderen Raums mit meinem Mobiliar zuzustellen, so nehme ich einen Teil des Raumes des anderen in Anspruch - ich übernehme mehr als 100% Verantwortung. Nicht nur das, ich verhindere auch, dass mein Gegenüber seine volle Verantwortung übernehmen kann. Wenn ich umgekehrt dem anderen erlaube, sein Mobiliar in meinem Raum abzustellen, gebe ich einen Teil meiner Verantwortung an ihn ab.

Überlassen wir anderen Menschen Verantwortung, die eigentlich uns gehört, machen wir uns zu deren Opfer, übernehmen wir Verantwortung anderer, so machen wir sie zu Opfern. Zu lernen, wie wir exakt 100% Verantwortung übernehmen können und zu erkennen, wann wir das nicht tun, ist eine essenzielle Aufgabe des bewussten Lebens.

Wahrnehmung

Ich finde es immer wieder erhellend, Wörter auf ihre Entstehung und ihren ursprünglichen Gebrauch zu untersuchen, wobei ich oft wertvolle Informationen über die tatsächliche Bedeutung eines Wortes erhalte. So finde ich oft heraus, dass ich unbewusst eigentlich etwas ganz anderes sage, als ich bewusst kommunizieren möchte, da ich im alltäglichen Sprachgebrauch einem Wort einen neuen Bedeutungshof gegeben habe.

Beispielsweise finde ich es bemerkenswert, was alles im Wort „Wahrnehmung“ steckt, ein für meine Arbeit ganz zentraler Begriff. Es bedeutet etwas für wahr nehmen. Wahrnehmung ist direkt mit unseren Sinnen verbunden. Ein Reiz, eine Information wird von einem unserer Sinne empfangen und von unserem Bewusstsein mit einer Bedeutung versehen und „für wahr genommen“. Ich halte unsere Wahrnehmung für unsere einzige Möglichkeit, zu unbestreitbarer Wahrheit zu kommen.

Wahrheit

Ein Beispiel: Jemand sagt zu mir: „Du bist ein Idiot!“ Ich nehme wahr, dass die entsprechenden Schallwellen von meinem Ohr empfangen werden. Die darin enthaltene Information erreicht mein Gehirn, und ich gebe ihr die Bedeutung, dass mich jemand einen Idioten genannt hat. Außerdem nehme ich noch wahr, dass meine Schultern und mein Nacken sich verspannen, und ich spüre, dass ich ärgerlich werde (was letztlich einer Interpretation meiner Körperempfindungen gleichkommt).

Nun könnte ich es für die Wahrheit halten, dass mich mein Gegenüber ärgerlich gemacht hat. Der sagt aber: „Kann ja gar nicht sein! Ich habe gestern den Dalai Lama einen Idioten genannt, und der ist überhaupt nicht ärgerlich geworden.“ Was mir eindeutig zeigt, dass meine Aussage bestreitbar war. Die unbestreitbare Wahrheit (und zwar meine) wäre gewesen: „Ich habe gehört, dass du mich einen Idioten genannt hast und dann gemerkt, dass ich ärgerlich geworden bin.“

Woraus sich praktisch unmittelbar ergibt, dass ich Drama (Streit) vermeiden kann, indem ich lerne, die unbestreitbare Wahrheit zu sagen.

Der Wahrheitsgehalt einer Aussage ändert sich weder mit der Anzahl der Personen, die diese Aussage machen noch durch die Inbrunst, mit der sie vertreten wird. Wahrheit ist nicht gleichzusetzen mit Überzeugung oder Glaube(nssätzen). Wahrheit existiert immer nur innerhalb eines Individuums (zumindest, was unsere physische Existenz auf diesem Planeten angeht). Einigen sich mehrere Individuen (vermeintlich) auf eine Wahrheit, so ist das ein Konsens.

Integrität

Das Wort kommt aus dem Lateinischen von integer, was „unverletzt, unversehrt“ bedeutet. Wahre Integrität hat nichts mit Moral oder Ethik zu tun, sondern mit Wahrheit und Verantwortung. Wenn wir anderen (oder uns selbst) nicht die Wahrheit sagen, teilen wir uns. Nach außen müssen wir dann eine Lüge aufrecht erhalten, wohingegen unser Inneres die Wahrheit kennt. Wir sind dann geteilt und nicht mehr unversehrt. Ebenso verlassen wir unsere Integrität, wenn wir Verantwortung, die uns gehört, an andere abgeben, oder die Verantwortung anderer übernehmen.

Ganz allgemein ist unsere Integrität dann verletzt, wenn unser Denken, unser Fühlen und unser Handeln nicht mehr im Einklang miteinander stehen.

Commitment

Ich bin normalerweise kein Freund von Anglizismen, und normalerweise hat unsere Sprache genug zu bieten, um ausdrücken zu können, was wir wollen. Umso erstaunter war ich festzustellen, dass es offenbar für ein so wichtiges und im Englischen häufig gebrauchtes Wort wie commitment im Deutschen keine Entsprechung zu geben scheint, die seiner eigentlichen Bedeutung gerecht wird.

Bei näherer Untersuchung enthält commitment drei Teilbedeutungen:

Commitments sind wahrscheinlich das machtvollste Mittel, um unser Leben zu gestalten, und bewusst oder unbewusst nutzen wir sie jeden Tag. Bewusstes Leben bedeutet, unbewusste Commitments zu erkennen und sie durch bewusste zu ersetzen. Commitments können wahre Wunder bewirken und sind unser Werkzeug Nummer 1, um zu bekommen, was wir wirklich wollen.

Spiritualität

Wer 10 Personen fragt, was sie unter Spiritualität verstehen, läuft Gefahr, 11 verschiedene Antworten zu erhalten. Das häufigste Missverständnis ist vermutlich, dass Spiritualität zwingend mit Religion verknüpft ist. Das Wort ist aus dem lateinischen „spiritus“ abgeleitet, das unter anderem „Atem“, „Seele“ oder „Geist“ bedeutet. Im Altertum wurde der Atem mit der Seele gleichgesetzt, und tatsächlich ist der Atem eine Möglichkeit, uns mit unserer Essenz, unserer Seele zu verbinden. So beschreibt Spiritualität also das, was sich der Erforschung und dem Erleben von Geist oder die Seele widmet, im Gegensatz zu allem Materiellen, allem, was wir in unserer Newtonschen, physikalischen Welt wahrnehmen.

Spirituell sein kann man also durchaus, ohne religiös zu sein. Selbst der Dalai Lama stellt in seinem „Buch der Menschlichkeit“ fest, dass er es nicht für notwendig hält, einer Religion anzugehören, um ethisch zu leben und nach Erleuchtung zu streben. Das herausragendste Beispiel hierfür ist wohl die moderne Quantenphysik, deren Erkenntnisse, ohne Spiritualität einzubeziehen, gar nicht möglich gewesen wären. Auch die sogenannte „neue Biologie“ wendet sich spirituellen Themen zu (s. Bruce Lipton).

Esoterik

„Esoterisch“ ist vermutlich einer der meist strapazierten Begriffe unserer Zeit und wird oft mit abfälligem Unterton gebraucht, bezeichnet er doch lediglich, dass eine Lehre geheim und/oder nur für Eingeweihte bestimmt und verständlich ist. So ist zum Beispiel der tibetische Buddhismus eine esoterische Lehre. Dort soll das Wissen nur von Meister zu Schüler weitergegeben werden, und eine Aneignung und Anwendung des Wissens über andere Kanäle ist angeblich nicht nur nicht sinnvoll sondern auch potenziell gefährlich. Die meisten Lehren und Methoden, die heutzutage als esoterisch bezeichnet werden, erfüllen diese Kriterien nicht mehr, da das Wissen allgemein zugänglich ist.

Tantra

In unserer Gesellschaft kursieren viele irrtümliche Vorstellungen über Tantra. Tantra ist ursprünglich eine in Indien entstandene esoterische Form, ursprünglich des Hinduismus und später des Buddhismus und hat nur am Rande etwas mit Sexualität zu tun. Auf keinen Fall ist Tantra mit den, teilweise bis in die Prostitution reichenden, sexuellen Dienstleistungen zu verwechseln, die unter dessen Namen teilweise angeboten werden. Tatsächlich geht es darum, einen Zustand absoluter Präsenz zu erreichen (sprich, in der Gegenwart zu sein), in dem Zustände der Ekstase möglich werden, die aus einer zielgerichteten Haltung heraus nicht erreicht werden können. Dies ist ein Prinzip, das in vielen spirituellen Lehren zur Lebenskunst zu finden ist und für das ganze Leben gilt (wenn man glücklicher sein möchte) und eben auch beim Liebe-Machen seine Anwendung finden kann.

Wer also nur nach einer aufregenderen Form des Sex sucht, wird beim echten Tantra nicht fündig werden. Wer hingegen der stetigen Jagd nach mehr Spannung und Erregung müde ist und Möglichkeiten erforschen will, wahre Liebe und Ekstase zu erfahren, hat gute Chancen, Tantra als Bereicherung zu erleben. Übrigens: Ekstase wird gerne mit einem drogenartigen Rausch verwechselt, ich verstehe darunter einen anhaltenden Zustand von Glückseligkeit.